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Insight MCA Engineering! Mai

Schöne neue Welt!

Keine Angst vor Arbeit 4.0

Fachbegriffe Industrie 4.0, Internet of Things und Crowdworking - was steckt alles hinter diesen Begriffen?

Zunächst einmal muss umgedacht werden. Früher hab es beispielsweise ein Telefon, mit dem man kommunizierte und einen Kühlschrank, der kühlte. Mittlerweile kann mit dem Smartphone fast so gearbeitet werden, wie mit einem Computer. och spannender ist es beim Kühlschrank: der kühlt immer noch, kann aber nun mit dem Smartphone kommunizieren.


Kommunizierende Kühlschränke

Bisher gibt es nur wenige Kühlschränke, die "telefonieren". Denkbar ist aber, dass so ein Kühlschrank dem Smartphone mitteilt: "Mein Gefrierfach wird zu warm, ich muss abgetaut werden." Jetzt ist der Kühlschrank "smart" und ein Teil des Internet of Things (IoT), also einer weltweiten Community von Geräten und Sachen, die miteinander kommunizieren, Leider wird der Ausdruck smart manchmal etwas inflationär benuzt und so findet sich im Kühlschrank auch der smarte Joghurtbecher, der dem Kühlschrank mitteilt: "Joghurtbecher Erdbeere, das Verfalldatum läuft Morgen ab " - Kühlschrank an Smartphone: "Iss den Joghurt." Eventuell bestellt der Kühlschrank jetzt auch noch Erdbeerjoghurt nach. Dumm nur. wenn man jetzt lieber Himbeere wollte. Dieses Szenario ist sogar schon einige Jahre alt und Bestandteil des "smart Home". Wie funktioniert das? Größere Geräte oder Maschinen besitzen tatsächlich kleine Prozessoren oder Computer, die Informationen auswerten und übermitteln können. Zur Übermittlung werden häufig Mobilfunknetzwerke genutzt. Der Joghurtbecher wird schon aus Kostengründen nur ein passives Element besitzen. Heutzutage meiste ein RFID-Chip. In näherer Zukunft werden weitere Formen von Netzen genutzt werden, die möglichst wenig Energie verbrauchen sollten. Nicht nur der Mensch kommuniziert mit den dafür gedachten technischen Geräten, sondern auch Dinge können kommunizieren. Teilweise tun sie dies mit anderen Dingen, aber auch mit dem Smartphone und damit dann mit dem Menschen, Durch diese zusätzliche Kommunikation im IoT wird sich die Informationsflut vermutlich noch verfielfachen. Hier entsteht aber auch ein Datenschutz- oder Überwachungsproblem. Beim Kühlschrank ist dies noch nicht so offensichtlich, der abgelaufene Joghurt interessiert meist nur den Einzelhändler. Anders kann es sein, wenn das Smart-Car den Fahrstil "rasant" an die Haftpflichtversicherung meldet. Mit der Überwachung geht oft auch ein Kontrollverlust des Besitzers einher, da Maschinen und Dinge so die Siutation der Menschen beeinflussen. Dies kann in der Arbeitswelt Auswirkungen haben.

Industrie 4.0 und die Smart Factory

Die denkende Fabrik (Smart Factory) ist das Herzstück der Industrie 4.0. Wie könnte dies in einer Fabrik denn aussehen? Hier würde an einem Arbeitsplatz - durch die "Selbstkontrolle" der Materialien - festgestellt werden können, dass nicht alle nötigen Kleinteile vorhanden sind (Beobachtung der Vorräte mit automatischer Anforderung, falls Teile fehlen). Ebenso wird angezeigt, seit wann das eigentlich Werkstück, beispielsweise ein Fahrzeug, am Arbeitsplatz bereitsteht. Sind dann die zum Einbau bestimmten Teile angeliefert und melden eventuell selbst, dass sie bereits seit einer Stunde im Fahrzeug eingebaut sein sollten, wird ziemlich klar, wer hier die Kontrolle hat.

Kontrollierende Werkstücke

Vielleicht suchen sich die Werkstücke dann noch selbst ihren Weg in der Fabrik. Dies wäre möglich, da sie mit Absprachen an die Maschinen festellen können, wo Kapazitäten frei sind. So entscheiden die Werkstücke scheinbar objektiv, welches der Teams an den Maschinen die beste Leistung bringt. Bewusst oder auch unbewusst entsteht so vielleicht ein Konkurrenzkampf zwischen den Beschäftigten. Soweit die für den Einzelnen eher indirekten Folgen der Smart Factory. Allerdings kommen noch zwei weitere Punkte hinzu.

Punkt eins: Die Daten der Kommunikation zwischen den Dingen werden in der Smart Factory über eine weitere Softwareebene mit dem großen ERP-System verbunden. Diese Daten können also von zahlreichen Stellen eingesehen werden. Da aus diesen Daten auch Rückschlüsse auf die Beschäftigten gezogen werden können, entsteht ein höherer Überwachungsdruck. Punkt zwei: Außerdem soll diese Kommunikation nicht nur innerhalb eines Unternehmens genutzt werden, sie soll auch konzernübergreifend zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer entlang der Lieferkette stattfinden. Hier sollte vermieden werden, dass die Namen der Beschäftigten an andere Unternehmen übermittelt werden. An dieser Stelle wird der Überwachungsdruck im Übrigen weiter verschärft. Angenommen, es gibt einen Engpass an Maschinen Nr. 7. Aus diesem Grund dirigieren die Vorprodukte sich selbst in eine Fabrik des Mitbewerbers. Verlorenes Auftragsvolumen ca. 50.000€. Wer war zu diesem Zeitpunkt an Maschinen Nr. 7?

Lieferketten und Probleme kleinerer Unternehmen

Lieferketten sind die logische Fortsetzung der Smart Factory. Für den Auftraggeber eine Idealsituation und die fast perfekte Umsetzung der Just-in-Time-Philosophie, da der Auftraggeber in Echtzeit die Lieferkette verfolgt und bei Schwierigkeiten steuernd eingreifen kann. Aber hier entsteht für die meist kleineren Auftragnehmer ein gewisses Risiko. Sie werden für den Auftraggeber noch durchschaubarer, da er die Situation bei seinen verschiedenen Lieferanten quasi in "Echtzeit" vergleichen kann. Je tiefer der Einblick des Auftraggebers in die einzelne Fertigung geht, desto eher kann er noch bessere Bedingungen für sich aushandeln. Außerdem erfährt der Auftraggeber quasi zwanglos einiges über die Fertigungsabläufe bei seinem Auftragnehmer. In einigen Fällen kann dann wohl auch Know-How abgeschöpft werden. Insgesamt wird durch diese Steuerung der Konkurrenzdruck der Lieferanten erhält. Im Endeffekt wird dieser Druck auch bei den Beschäftigten der Lieferanten ankommen.

Smar-Cars - denkende Autos?

In dieser Lieferkette passen die Smart-Cars hervorrangend. Die Ortungsmöglichkeiten für Automobile mithilfe von GPS oder SIM-Karten sind allgemein bekannt. Im Rahmen von Lieferketten oder bei Kundendienstfahrzeugen können die Ortungsmöglichkeiten zur Koordinierung und Steuerung genutzt werden. Sollte auch eine private Nutzung zulässig sein, muss die Ortung dann abgeschaltet werden können. Die Entwicklung geht jetzt schon viel weiter. Eine Anwendung besteht darin, dass das Auto die Werkstatt informiert, welche Ersatzteile bei der nächsten Wartung bereitliegen müssen. Letztendlich kann in so einem Fahrzeug aber auch die gesamte Fahrt in einer Art Blackbox protokolliert werden. Einige Versicherungen bieten schon Sondertarife für Fahrer, die sich einer solchen Kontrolle unterwerfen. Derartige Daten könnten auch für den Arbeitgeber des Fahrers interessant sein. Die enge Anbindung der Fahrzeuge ans Internet schafft aber auch neue Risiken. So besteht jetzt die Gefahr, dass das System Smart-Car von außen gehackt wird. Hierbei kann es Ziel sein, das Fahrzeug komplett zu übernehmen und damit Schaden anzurichten.

Mobiles Arbeiten

Mobile Arbeit ist an sich nichts Neues. Neu ist, dass die Arbeit durch die Kommunikationsmittel beweglicher geworden ist. So kann der Angestellte sein Büro quasi in die Tasche stecken, wenn er auf Dienstreisen geht. Mithilfe von Laptop, Smartphone und iPad kann er praktisch von überall auf das Firmennetzwerk zugreifen. Auch für den Außendienst kann die Kommunikation vereinfacht werden. Probleme entstehen für die Beschäftigten vor allem im Bereich Ergonomie, da die mobilen Geräte sehr klein sind und deshalb eine ergonomische Nutzung nicht möglich ist. Durch die Protokollierung der Kommunikation entstehen auch hier Überwachungsmöglichkeiten. Ein weiteres Problem ist die ständige Verfügbarkeit der Geräte, die auch zu einer ständigen Erreichbarkeit der Beschäftigten führt.

Big Data

Alle bisher geschilderten Technologien oder Abläufe beruhen auf der allgemeinen Vernetzung. Auch Big Data hat ihren Ursprung in der Vernetzung. Sie ist erforderlich, um die Datenmenge zu analysiere, die durch die vernetzte Kommunikation erst entsteht. So könnten (technisch gesehen) bei einem Arbeitnehmer folgende Daten zusammen ausgewertet werden: Seine Arbeitszeiten (Beginn und Ende), seine quantitative Leistung (beispielsweise beim Einbau von Autoteilen), sein Fahrstil im überwachten Auto, seine Äußerungen über den Arbeitgeber auf Twitter und der Bierverbrauch aus seinem Kühlschrank, alles fein säuberlich nach Zeiten und mit vermuteten Zusammenhängen - schöne neue Arbeitswelt...

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