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Erfolgsrezept im Job!

Misserfolge gelten heutzutage als großes Tabu: Keiner will sich durch einen Fehler die Blöße geben. Doch die Angst vor dem Scheitern ist die größte Barriere für die Entwicklung. Das wusste schon der irische Schriftsteller Oscar Wilde: „Der Profi macht nur neue Fehler. Der Dummkopf wiederholt seine Fehler. Der Faule und der Feige machen keine Fehler.“

Scheitern heißt nicht aufgeben

„Wir leben in einer Kultur, die von der Angst geprägt ist, aus der Gemeinschaft zu fallen. Sind wir erfolgreich, drohen Neid und Missgunst, scheitern wir, drohen Gesichtsverlust und Schadenfreude“, sagt der Diplom-Psychologe Wolfgang Roth vom Fürther Institut für Resilienz.

In den USA dagegen gibt es einen angenehmeren Umgang mit Fehlern. Im Silicon Valley herrscht eine Kultur der zweiten Chance. Die Einstellung: Niederlagen gehören einfach zum Business dazu! Nicht das Scheitern ist ein Stigma, sondern das Aufgeben. Die Amerikaner erkennen an, wenn jemand nach dem Hinfallen wieder aufsteht, aus seinen Fehlern lernt und einen neuen Versuch wagt.

Scheitern als Vorteil: US-Unternehmen haben es erkannt

Bei Google gehört das Scheitern zum Alltag und ist sogar erwünscht, agt Astro Teller, Leiter der Innovationsschmiede des Internetgiganten. Dahinter steckt die Idee, dass auf dem Weg zu wirklich großen Taten Dinge schiefgehen müssen. Neue Projekte werden rasch in der realen Welt getestet, obwohl sie noch nicht ausgereift sind. Fehlschläge inbegriffen, wie das Beispiel der Hightech-Brille Google Glass zeigt. Die Erfolge der Innovationsschmiede lassen noch auf sich warten. Doch die Google-Holding Alphabet zählt zu den wertvollsten Unternehmen der Welt: Google hat die Internetsuche revolutioniert und mit anderen Produkten wie Android längst zahlreiche Erfolgsmodelle geschaffen.

Smart gescheitert: Lernen von Potter-Erfinderin J.K. Rowling

Smart Scheitern hat nichts mit Nachlässigkeit, Schlamperei und offensichtlichen, vermeidbaren Fehltritten zu tun. Es bedeutet den Mut zu haben, Dinge gezielt, durchdacht und intelligent zu verbessern, komplett neue Ansätze zu wagen. Viele wissenschaftliche Entdeckungen basieren auf dem Prinzip von Trial and Error. .

Wie Scheitern smart wird, zeigt das Beispiel einer britischen Autorin. Statt Geld zu verdienen, schreibt die einst arbeitslose, alleinerziehende Frau fünf Jahre lang an ihrem ersten Buch. Sie klappert ein Dutzend Verlage ab, die das Manuskript erst mal ablehnen. Ein Misserfolg nach dem anderen. Hat sie fünf Jahre Lebenszeit an ein Hirngespinst vergeudet und ist komplett gescheitert? Nein, denn Rowling blieb dran, besserte ihr Manuskript nach, gab nicht auf – und hatte schließlich Erfolg. Heute ist Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling eine der erfolgreichsten Bestseller-Autorinnen weltweit, mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 800 Millionen Euro!

Ihr Beispiel ist kein Einzelfall. Dass Fehler die Treiber des Fortschritts sind, machen zahlreiche erfolgreiche Biografien deutlich:

  • Walt Disney wurde einst wegen Mangels an Ideen von einem Zeitungsherausgeber gefeuert und ging auch mehrere Male bankrott
  • Auto-Mogul Henry Ford gelang es erst beim dritten Anlauf, die Ford Motor Company zu gründen
  • Thomas Edison musste 9.000 Glühfäden testen, bis er die Glühbirne auf den Markt bringen konnte

„Fuck up Nights“ machen die Kultur des Scheiterns salonfähig

Einen offenen Umgang mit Fehltritten zelebrieren die auch in Deutschland immer mehr verbreiteten „Fuck up Nights“. Dort bekennen sich Entrepreneure zu früheren Misserfolgen und machen die Kultur des Scheiterns salonfähig. Die Message: Fehler passieren, bedeuten aber nicht das Ende. Wer daraus lernt und die Chancen nutzt, kann beim nächsten Versuch erfolgreich werden. Beispiel Mark Levchin, Mitgründer des Bezahldienstes Paypal: Er spricht offen darüber, dass er seine ersten drei Unternehmen in den Sand gesetzt hat, bis mit Paypal endlich der große Durchbruch kam. Sein Credo: Nicht aufgeben! Dann klappt es auch irgendwann.

Über den Autor

Der Wirtschafts- und Finanzjournalist Markus Hofelich lebt mit seiner Familie im Süden von München. Seine journalistische Erfahrung sammelte er als Redaktionsleiter beim DIV Deutscher Industrieverlag, als stellvertretender Chefredakteur von Cash. sowie als Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „Unternehmeredition“ der GoingPublic Media AG. Markus Hofelich ist Diplom-Kulturwirt und hat an den Universitäten Passau und an der Pariser Sorbonne studiert.


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